31.03. - 07.04.2025 Biblisches und nabatäisches Kulturland
Reisebericht unserer Gemeindereise nach Jordanien
21 Menschen aus der oder mit Bezug zur Kreuzkirchengemeinde und ihr Pfarrer Ralf Schmidt machten sich Anfang April auf, das biblische und nabatäische Kulturland Jordaniens zu bereisen; nach acht Tagen kam eine durch die Vielfalt Jordaniens bereicherte und beglückte Gruppe zurück:
Beim Anflug auf Amman – sicherheitshalber über ganz Jordanien von Süden nach Norden – präsentierte sich ein punktuell hell beleuchtetes Land, dessen in der Dunkelheit liegende Bereiche, die überwiegend nicht besiedelten Gegenden und die riesigen Wüstenbereiche erahnen ließen – für mich Faszination vom ersten Augenblick an.
Doch dann Landung in der Wirklichkeit: Nachdem sich der Sicherheitsdienst des Flughafens davon überzeugt hatte, dass die Ferngläser in ein paar Koffern nicht zwecks Spionage, sondern in der Hoffnung auf einen prallen Sternenhimmel über der Wüste eingepackt worden waren, wartete erfreulicherweise im Hotel noch ein Late-Night-Buffet mit landestypischen Gerichten auf uns.
Gemeindereisen sind nicht zum Ausschlafen gedacht, in der Früh wurden wir durch Amman auf eine luftige Höhe gefahren. Amman hat sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts von ursprünglich sieben auf 21 Hügel ausgebreitet; die Bevölkerung wuchs in dieser Zeit auch durch den enormen Zustrom von Flüchtlingen von ca. 60.000 Einwohnern auf heute 4,8 Millionen; entsprechend modern zeigt sich uns diese Metropole. Die Ursprünge dieser Stadt gehen bis in biblische Zeiten zurück. Die wechselvolle Geschichte bezeugen auch die gewaltigen Ruinenreste der Zitadelle mit dem Umayyadenpalast, der Byzantinischen Kirche und der Moschee. Die kurzweiligen und informativen Erklärungen unseres Reiseführers Hussein ließen vor dem geistigen Auge aus den wenigen, aber prägnanten Trümmern die riesige Herkulesstatue wiedererstehen. Die Besichtigung der kleinen, aber feinen Kollektion von Altertümern im „Archäologischen Museum“ ermöglicht eine kulturelle Zeitreise über Jahrtausende.
Tüchtige Laufleistung war in Jerash zu erbringen; seit Alexander dem Großen kann man auf der Nord/Süd- oder Ost/West-Achse, die von unzähligen Säulen gerahmten Pflasterstraßen begehen. Zu bestaunen sind Umrisse, Treppen, Tore und Mauern von einst großzügigst aus Marmor und Granit geschaffenen monumentalen Bauwerken - als da wären nördliches und südliches Dekumanus, Ovales Forum, Zeustempel, Nordportal, Artemistempel, Byzantinische Kirche, Süd- und Nordtheater und und und.
Umso willkommener war dann die spontane Einladung zum Tee in der Klosteranlage „Our Lady of the Mountain“ in Anjara: Der aus Argentinien stammende Pater berichtete auf Spanisch von den Mädchen und Jungen aus schwierigsten Verhältnissen, um die man sich dort kümmert; dank Übersetzung von Christel für alle Reisenden verständlich. Ute erfüllte die in frischen Pastellfarben poppig bemalte Kirche mit ihrem hellen Gesang. Dass die Madonna blutige Tränen weint, ist anerkanntes Wunder durch die römischkatholische Kirche. Jesus hat in dieser Gegend seine ersten Wunder vollbracht.
Am nächsten Tag ging die Fahrt im eigenen Bus über Land Richtung Süd-Westen. Der Legende nach befindet sich das Grab von Moses auf dem Berg Nebo. Dort erfuhr er die Verheißung Gottes; wie überwältigend diese Erfahrung gewesen sein könnte, versinnbildlicht die moderne Skulptur von Kreuz und Schlange. Dargestellt wird die symbolhafte Verbindung des alten und des neuen Testaments - die Moses gegebenen Gesetze und die Barmherzigkeit und Wahrheit gegeben durch Jesus Christus (Foto). Von dort durfte Moses wenigstens in das gelobte Land blicken; uns wurde die Sicht hinunter zum Jordan, der Taufstätte Jesus, und Richtung Israel durch sandreiche Luft getrübt. Dort, wo Jahrhunderte lang eine neue Kirche auf die Fundamente der älteren Kirchen gebaut wurde, feierten wir in der in den 1960er Jahren erbauten modernen „Moses Gedächtniskirche“ der Franziskaner einen bewegenden Gottesdienst mit Abendmahl.
Dort zeigen unzählige Mosaiksteinchen in vier Bildstreifen Geschichten von Mensch und Tier wie in einem Bilderbuch. Aus dem Staunen kommen wir nicht heraus, als wir mehr über die Mosaikarbeiten der Frauen erfahren. Erst so erschließt sich einem die Bedeutung der berühmten Palästina-Landkarte, die für immer ausgebreitet auf dem Boden der St. Georg-Kirche in Madaba liegt. Wie schwierig es ist, mehr als 400 Meter unter dem Meeresspiegel im Toten Meer den Körper im seit Jahren immer salzhaltiger werdenden Wasser in Balance zu halten, haben wir dann am Nachmittag „hautnah“ erlebt.
Am vierten Tag stellte sich die Wanderung auf die Festung Machärus als weniger herausfordern dar, als deren Geschichte vermuten lässt - hier soll Johannes der Täufer von Herodes gefangen gehalten und auf dessen Geheiß geköpft worden sein.
Die „Challenge“ dieses Tages sollte noch auf uns warten...
Durch abwechslungsreiche Landschaften des Wadi Mujib mit hohen, kargen Gebirgszügen, grünen Plantagen, bunten Städtchen und winzigen Örtchen, vorbei am riesigen Stausee und vereinzelten Beduinenzelten mit ihren Tieren, wurden wir hinunter ins Wadi Hammad gefahren: Der „Spaziergang“ durch das warme, aber schnell fließende Wasser des mit glitschigen Steinen und scharfen Steinchen ausgelegten Bachbettes war nichts für flatternde Nerven oder falsches Schuhwerk: Höchste Konzentration und die unermüdlichen Hilfestellungen von Hussein und dem kundigen Führer Achmed waren nötig. Dieser Gang durch die wilden Wasser, flankiert von hohen Felswänden mit hängendem Grün, war wirklich eine besondere, aber sehr schöne Herausforderung. Hier zeigte sich, dass die Reisegruppe zusammenhält: Gemeinsam bewältigen wir dieses Abenteuer dank vieler hilfreicher Hände - stützend und fürsorglich; ein tolles Gemeinschaftserlebnis – verstärkt durch unseren Gesang am Wendepunkt der Wassertour: Alle kamen heil zurück; Ralf war sehr erleichtert.
Wadi Musa heißt die schnell gewachsene „Schlafstatt“ vor dem Tor des Jahrtausende alten Petra: Gute Reiseplanung ist, wenn man vom Hotel nur über die Straße gehen muss, um in dieses Weltkulturerbe zu gelangen. Sobald wir die Nabatäerstadt Petra betreten, werden wir in warmes Licht eingehüllt, das sich je nach Örtlichkeit widerspiegelt als changierende Farbpaletten von hellstem, gleißendem Beige, leicht zartem Kupfergrün über erdige, strahlende Rottöne hin zu warmem Braun und graffitigem Schwarz. Jeder Schritt auf den ca. fünf Kilometer langen Straßen, Wegen und Pfaden durch den Sik, vorbei am Schatzhaus des Pharaos, der Ausgrabung der byzantinischen Kirche, dem Theater und Palästen wird belohnt. Man kann sich nicht satt sehen. Obwohl Petra vornehmlich eine Nekropole ist mit Grabstätten aller Arten, die die Nabatäer je nach Status (u. a. Königsgräber) anlegten, vermittelt der gesamte Komplex trotz vieler Besucher eine ruhige positive Atmosphäre: Good Vibes“ heißt das heutzutage...
Komfort im Wüstencamp Wadi Rum – für viele von uns die spektakulärste Unterkunft: Man fühlt sich beschützt in so einem modernen Zelt. Auf (!) Jeeps wurden wir dem Sonnenuntergang entgegen von sehr jungen Fahrern (waren die wirklich bereits 18Jahre alt...) stundenlang durch das „Tal des Mondes“ kutschiert; gerüttelt und geschüttelt über weite Sandebenen mit ihren von unzähligen kleinen Sandwellen geprägten Böden. Vorbei an von Wind, Wasser und Sonnenkraft über Jahrtausende geformten Sand- und Kalksteinwänden und Schluchten zu prähistorischen und damals äußerst bedeutenden Karawanenkreuzpunkten – bis heute nachgewiesen durch in Stein geritzte Zeichnungen der Nabatäer. Und dort konnten wir auch beobachten, wie ihre Nachfahren, die Beduinen, einem frisch geborenen „Kamel“-Baby auf die Beine und zur mütterlichen Milchquelle geholfen haben. Abends war das im Camp traditionell über drei Stunden in einem Erdloch auf einer dreistöckigen Etagere gegarte Hühner- und Lammfleisch mit leckerem Gemüse und Kartoffeln eine willkommene Abwechselung zum sonst üblichen Hotelbuffet. Auch hier galt: We are a dry Hotel; kein Alkohol also.
Die Frühaufsteher unter uns kehrten stolz von ihrem Kamelritt bei Sonnenaufgang ins Camp zurück. Die Rückfahrt aus dem Wadi führte entlang der legendären Hedschas-Bahnstrecke, die damals von Lawrence of Arabia strategisch im Kampf der arabischen Reitertruppen gegen die Osmanen genutzt wurde. Am winzigen Bahnhof mit seinem teilrestaurierten Zug mit Lok, Speise- und Holzklasse-Waggons kam bei uns allen das große Märklin-Gefühl auf. Kontrastprogramm dann in Aqaba: Endpunkt der von Hussein wunderbar geführten Reise entlang der Küsten- und Hafenstraße war das Berenice-Strandresort: Erfrischendes Baden und Schnorcheln im Roten Meer, entspanntes Dösen auf Sonnen- bzw. Schattenliegen; die Zeit stand still, bevor am Nachmittag die Geschäftsstraßen der Stadt ihr kunterbuntes Warenangebot feilbieten. Herrlich die vielen Gewürze und die Versuchungen der Bäckereien; Stichwort: Sesamkekse!
Bei den Fahrten durch das Land und die Orte lassen wir unseren westlich und wie wir meinen fortschrittlich geprägten Blick auf das Haschemitische Königreich Jordanien (konstitutionelle Monarchie mit der möglichen Befugnis des Königs zum „Durchregieren“) schweifen; wir sehen und bemerken nicht nur die Schönheit und Vielfalt dieses Landes, sondern auch einiges, was uns befremdet... Scheinbar kaum Frauen auf den Straßen und wenn, dann meist „verschleiert“; streng bis unfreundlich blickende Männer; vom Wind verbreiteter Plastikmüll; geschlachtete Tiere in den Schaufenstern...
Vielleicht haben die Frauen in Büros gearbeitet oder immer noch traditionell zuhause ihre Familie (Kinder und Alte – es gibt keine Altersheime in Jordanien) versorgt - die Kluft zwischen den Geschlechtern soll laut Regierung bis 2030 geschlossen sein. In einem Ort an der legendären Königsstraße war nicht ein Fitzelchen Plastikmüll zu sehen – das Umweltbewusstsein wird offenbar individuell geprägt. Bei den persönlichen Begegnungen mit jordanischen Männern trat deren offene und herzliche Gastfreundlichkeit zutage.
Von Aqaba blickt man hinüber auf das israelische Eilat und die ägyptische Küste; zum Grenzübergang nach Saudi-Arabien ist es nur ein Katzensprung: Jordanien schafft es, auch heutzutage ein friedliches und gastfreundliches Land zu sein.
Während unserer Busfahrten und zum Abschluss des Tags erinnerte uns unser Reiseführer Hussein immer daran, ja nichts liegen zu lassen, zu vergessen bzw. Sorge dafür zu tragen, dass nichts verloren geht...
Trotz dieser Fürsorge muss ich für mich sagen: Auf dieser wunderbaren Reise habe ich mein Herz an Jordanien verloren.
Sabine Wahl


